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Käufliche Dominanz… funktioniert das?

Wie halten es Domina-Gänger nur aus, bei so viel gespielter Herr(innen)lichkeit?

Ich hatte in meiner Zeit im Studio Medea einmal ein besonders befremdliches Erlebnis. Es war noch in meinem ersten Jahr dort, ich war noch relativ unsicher und planlos und hatte gedacht, in meinen Kolleginnen Vorbilder finden zu können. Wie kolossal dieses Vorhaben scheiterte, steht in „Lessons in Lack“. Ich hatte also eine Kollegin, großgewachsen, mit langem schwarzem Haar, und weil ich neugierig auf ihre „Arbeitsweise“ war, lauschte ich eines Tages an der Tür des Studios, in dem sie gerade einen Mann in der Mangel hatte. Ich hörte auch sogleich, was für eine Art der Mangel das war. Offensichtlich stand der Höhepunkt des Gastes unmittelbar bevor, denn sie gab ihm sehr eindeutig akustische, aber nonverbale Hilfestellung. Das hörte sich in etwa so an: „aah….uuuuuhh……ooooooooouuuuuuu“. Dazu das unterdrückte Ächzen ihres Kunden. Es war wie der Trommelschlag einer Sklavengaleere. Absolut rhythmisch, regelmäßig und in der stets gleichen Betonung. „aah….uuuuuhh……ooooooooouuuuuuu“.

Dabei klang sie, als wollte sie etwas herbeistöhnen….irgendetwas, vielleicht eine Anstellung als Pornofilm-Synchron-Stöhnerin. Entsprechend lange ließ der Höhepunkt des Mannes auch auf sich warten. Und ich stand wie gebannt vor der Tür und konnte es nicht glauben. Es war grotesk, komisch und eine der vielen Gelegenheiten, in denen ich mich fragte: Was ist daran dominant? Diese Frage stelle ich mir heute nicht mehr, dafür aber eine andere: Warum durchschauen Männer Komödien dieser Art nicht? Damals konnte ich noch nicht unterscheiden zwischen Frauen, die den Weg einer Domina wirklich aus Spaß und Lust einschlagen, denen, für die es einfach nur ein Job ist (Abnutzungserscheinungen, Orginalitätsverlust und Automatismus inbegriffen), und jenen, die es aus reiner Geldnot tun. Im Domina-Forum kann man hierzu eine interessante Unterhaltung nachlesen. http://www.dominaforum.net/forum/topic4413.html Ein Forumsmitglied stellt die Vermutung an, dass sich diese 3 Domina-Typen  10 zu 80 zu 10 aufteilen. Und auch das Studio Medea wurde dominiert von Frauen, für die das Domina-Sein eben ein Job ist. Die allerwenigsten hatten eine wahrhaftige Neigung dazu. Ich selbst – ich sage es ganz ehrlich – wechselte zwischen dem Ausleben meiner Neigung und einem normalen Job hin und her. Es ist unvermeidbar, darin nur einen Job zu sehen, wenn man sich zweimal in der Woche für einen ganzen Tag mit den immer gleichen Wünschen konfrontiert sieht. Auch meine Kreativität hat manchmal ein bisschen gelitten. Aber keine Angst. Dinge wie  „aah….uuuuuhh……ooooooooouuuuuuu“ hatte ich mir nicht angewöhnt.Im privaten SM-Bereich habe ich die Beobachtung gemacht, dass es viel mehr submissive Frauen und dominante Männer gibt, als Paare, bei denen die Rollenverteilung anders gelagert ist. Wo all die vielen devoten und masochistischen Männer abbleiben? Nun, auf Partys sehe ich tatsächlich wenige von ihnen. Aber irgendeinen Sinn muss das überbordende Angebot an professionellen Dominas ja haben. Schaut Euch mal den SM- und Dominaführer mal an. Oder die website www.peitsche.de . Diese Dominaführer wachsen…und wachsen…und wachsen. Ob die Nachfrage das Angebot bestimmt, wage ich nicht zu beurteilen. Aber es ist hinlänglich bekannt, dass viele „normale“ Prostituierte auf Domina umsatteln, einfach aus dem Grund, weil dies die bessere Verdienstmöglichkeit ist. Aber wo die Neigung und die Lust an der Sache fehlen, nehmen gelebte Klischees, Maskerade und einstudiertes Schauspiel diesen Platz ein. Wir alle wissen, dass man die diabolisch-launische Lust einer Frau mit dominanter Veranlagung nicht spielen kann. Gut, manchmal kommt der Appetit beim Essen; es gibt sicher einige, bei denen der Versuch, Domina zu sein letztendlich dazu geführt hat, dass sie sich später fragen: Warum habe ich erst jetzt mein wahres Wesen entdeckt?

Aber ich frage mich, warum es funktioniert, wenn frau die Domina spielt und ein zahlender Gast in diesem Spiel aufgeht. Wenn ein Mann zu einer „normalen“ Prostituierten in ein Laufhaus oder ein Bordell geht, weiß er mit Sicherheit, dass ihre Geilheit lediglich aus folgenden Zutaten besteht: einstudierter Schlafzimmer-Mimik, gängiger Verbalerotik und viel Gleitgel zwischen den Beinen. Ich hoffe nicht, dass irgendjemand so naiv ist zu glauben, dass dies echte Lust ist, und wahrscheinlich ist das auch nicht das Hauptziel von Freiern, die Frauen kaufen.  Nicht vorhandene aber geschickt überspielte Geilheit verkauft sich einfach, der Markt boomt wie eh und je. Wenn jemand an einem Tiertransporter mit aufgedruckten, „glücklich“ grinsenden Comic-Schweinen und Kühen vorbei fährt, fragt er sich ja auch nicht, ob diese Tiere ihr Einverständnis für diese Lüge gegeben haben.

Aber wie ist das bei Dominas? Hier werden ja keine gut geschmierten Körper angeboten, sondern Ideen. Rollenspiele, Phantasiewelten, Macht und Bezwingung durch Sprache. Wieviele dominante Damen retten ihren dominanten Nimbus durch das immer gleiche Repertoire dominanter Schlag-wörter? Sklavensauwurmdrecksauwichserschwarnzlurch.

Ja, es scheint zu funktionieren. Schalten Männer beim Domina-Besuch die Angst aus, dass es sich nur um eine Schmierenkomödie handeln könnte? Prostituierte sind meistens gute Schauspielerinnen, und Dominas müssen diese Kunst natürlich noch besser beherrschen, auch jene, denen es Spaß macht. Doch bei welchen Professionellen halten sich Lebensunterhalt und Lust tatsächlich die Waage?

Und ist es wirklich schlimm, wenn eine Domina sagt, dass es „nur“ ein Job für sie ist?

Wieviele Berufe verkaufen Illusionen? Fast alle. Fragen wir uns bei unserem Anlagenberater denn auch, ob er tatsächlich unsere finanzielle Sicherheit im Sinn hat? Oder unseren Friseur, ob er wirklich denkt, dass wir mit den senfgelben Strähnchen jünger aussehen? Habe ich Politiker vergessen? Na bitte.

Ich denke, kein Mann hat Lust auf eine Sexworkerin, bei der schlimme existenzielle Not durchscheint, wobei vielen dieser Hintergrund herzlich egal ist, denn Prostitution fußt letztendlich auf Ausbeutung gerade dieser Notlage. Für gewöhnlich funktioniert der SM-orientierte Bereich des Rotlichtmilieus anders. Aber auch hier gibt es viele, für die die professionelle Dominanz Endstation ist.

Ich kenne Männer, die niemals zu einer Domina gehen würden, weil allein der Faktor, dass diese Frau gekauft werden muss, schon ein Hemmnis für echte Unterwerfung ist. Dass der zu zahlende Preis die devote Phantasie im Keim erstickt und gar nicht erst zulässt, in der entsprechenden Frau eine echte Herrin zu sehen.

Meine große Liebe Conrad, dem „Lessons in Lack“ gewidmet ist, glaubte bei unserer ersten Session, dass meine Wonne, als er meine Füße bedient hat, nur gespielt war. Er zog überhaupt nicht in Betracht, dass ich echten Genuss empfinden kann bei einer Begegnung, die sich in diesem Rahmen abspielt. Ich musste ihn eines Besseren belehren.

Ich habe von vielen Menschen aus dem privaten SM-Bereich anfeindende Kommentare zu meinem Buch gehört. Sie finden käuflichen Sadomasochismus irgendwie verwerflich, unecht, schäbig. Für viele ist eine professionelle Domina per se falsch. Sie unterstellen ihr unlautere Methoden, Verantwortungslosigkeit und Oberflächlichkeit. Und Männer, die zu solchen Frauen gehen, sind in deren Augen bedauernswerte Wichte. Es gibt Beispiele, in denen dieses Klischee leider zutrifft.

Aber aus dem Glück heraus, im privaten Leben einen Menschen zu finden, der deine Neigungen aus tiefster Seele erwidert, kann man leicht herabsehen auf jene, die diese begrenzte, überschminkte Glück kaufen müssen.

Dazu an anderer Stelle mehr.

 

 

 

 


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