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Dominas-auch nur Sex-Objekte?

Eine altgediente Domina hat mal gesagt: Dominas sind das Öl im Getriebe der Gesellschaft.

Ein etwas pathetischer Satz, den ich auch gleich als ersten Satz für mein Buch ausgewählt habe, weil ich ihn damals so toll fand. Wer das Buch gelesen hat, weiß, welch großen Wandel meine Ansichten von diesen Damen mittlerweile genommen haben, mich selbst eingenommen. Es wird so viel darüber geredet, dass Dominas eine ach so nützliche Aufgabe erfüllen, in dem sie gerade im Geschäftsleben erfolgreichen und dominanten Männern einen Ausgleich bieten. Das Etikett “starke Frau” ist daher unvermeidlich, wenn auch oft überbewertet. Denn wiederum andere Zungen sagen, dass Dominas auch nichts anderes sind als bizarr gekleidete Objekte. Die zwar eine aktive Rolle einnehmen, streng  spielen und deren Wortschatz dem einer normalen Prostituierten so gar nicht ähnelt. Schön und gut, aber eben Objekte. Die noch dazu bezahlt werden. Sich nach den Wünschen eines männlichen Kunden richten und kaum Spielraum für echten Sadismus, so sie denn eine Neigung dazu hegen, haben. Wie könnte sich eine Frau, deren Dominanz in so engen Grenzen lebt, vom Stigma des Sex-Objekts denn auch befreien?  Die im professionellen Rahmen erlebbare Energie einer sogenannten Domina unterscheidet sich nämlich drastisch von den Wegen, die Frauen im privaten Rahmen einschlagen, um ihre Neigungen auszuleben. Was die Gesellschaft aber über Dominas hört und sieht, beeinflusst natürlich das Bild und das ist das Bild eines exotischen Objekts. Für Szenarien, wie sie sie Bernard Montorgueil in “Ein Nachmittag mit Barbara” schildert, lässt die professionelle SM-Szene leider nur wenig Platz. Darin geht es um ein Haus voller gut oder weniger gut erzogener Männer, die in bordellartigen Umständen dort gehalten werden, während die rein weibliche Kundschaft sich einen von ihnen zum grausamen Amüsement aussuchen kann. Bei Geschichten wie diesen wird der Mann zum Objekt sadistischer Gelüste degradiert. Die Frauen, die allesamt erlesen gekleidet, wunderschön und sexuell unersättlich sind erwecken an keiner Stelle den Eindruck, Objekt zu sein. Wenn ich heute nochmal in die Situation kommen sollte, als Domina zu arbeiten, würde ich mir von den Damen aus Montorgueils Universum so einiges abschauen…

Wenn ich heute darüber nachdenke, was mich daran reizt, dominant zu sein, gibt es einen von vielen Gründen, der mir damals, als Professionelle niemals gekommen wäre. Vielleicht, weil es so selbstverständlich war. Ich werde angehimmelt und begehrt, ich erwecke Wünsche und Geilheit, aber aus Gründen, die nichts mit meinem Körper zu tun haben. Sicherlich werfe ich mich in Schale, poliere, glätte, schnüre mein Latex-Outfit. Ich will schön sein als Herrin. Weil ich weiß, das ein großer Reiz der Unterwerfung darin besteht, Begehrlichkeit zu erzeugen, aber die daraus resultierenden Wünsche zurückzuweisen und damit zu spielen. Ich weiß, dass mein submissiver Gegenpart sich nach meinem Körper verzehrt, dass er ihn berührern und seine Lust an ihm ausleben will. Macht mich das zum Objekt? Ja, natürlich. Aber wir alle kennen die Macht von begehrenswerten Objekten über den, der sie sich herbei sehnt. Und wenn ich als Domina damit spielen kann, in dem ich mich selbst dem Objekt-Charakter durch alle möglichen Gemeinheiten entziehen kann und mein Gegenüber mit seinen Wünschen schmoren lasse – dann bin ich echt gerne und mit ganzer Leidenschaft ein Objekt. Dominas tun eigentlich nichts anderes, als die primären Wünsche eines Mannes umzuleiten und so zu verwandeln, dass sie selbst ihr weibliches Geschlecht aus dem Spiel halten können. Sie werden begehrt, aufgrund der Verweigerung dieses Geschlechts. Lack, Leder Latex sind dabei nur die herrlich strengen Zugbrücken, die diese Verweigerung signalisieren können. Nicht umsonst sind die typischen Domina-Kleider solche, die man der Lady nur schwer vom Leib reißen kann. Wir wissen ja, wie sich manche Männer mit Knöpfen, Haken, Ösen, geschweige denn mit Strapsen und Schnüren anstellen. Ja, Dominas sind Objekte, aber sie werden im Idealfall für das begehrt, was sich schützend und verneinend vor die üblichen weiblichen Reize stellt, für die schmerzhafte Reise, die sie ihren Sklaven aufzwingen, um wenigstens ein winziges Stückchen von dem zu bekommen, was sie von einer Frau normalerweise verlangen.

Dieses schöne Ideal wird in normalen Domina-Studios natürlich selten gelebt. Dort gilt die Devise: Alles was Geld bringt ist gut. Und so hat sich gerade das Thema Unberührbarkeit in den letzten Jahren drastisch gewandelt, und man kann von vielen sogenannten Dominas alles….ja ich meine alles bekommen. Um von ihrer Arbeit leben zu können, passen sich die Ladys der Nachfrage an. Und ich muss nach vier Jahren in diesem Milieu leider sagen: die wenigsten wünschen sich eine tatsächliche Herrin nach dem Vorbild Montorgueils: Unberührbar, grausam, unmanipulierbar. Sie werden als Dominas wahrgenommen, weil es eine unendliche Palette an Ritualen, Etikettierungen und Einzeldefinitionen gibt, die dafür sorgen, dass der eigentliche Objekt-Charakter erstmal im Hintergrund bleibt, sorgsam gehütet und versteckt unter einer harten Schale aus Fetischkleidern, Vokabular und Rollenspiel.


4 thoughts on “Dominas-auch nur Sex-Objekte?

  1. Sabine Bodewald sagt:

    Hallo Nora, ich habe mir das aufmerksam durchgelesen, und hab mal eine Frage an Dich.
    Ich habe auch schon woanders gehört oder gelesen das sich Dominas nicht nur von Prostituierten abgrenzen sondern auch abwertend über sie sprechen.
    Sie halten sich für was “Besseres”. Wie stehst Du dazu? Beide bieten sexuelle Dienste gegen Bezahlung an, die einen so und die anderen so. Und manchmal vermischt es sich sogar.
    Und du schreibst ja richtig das sich auch einige Dominas “anpassen”. Findest du das eine Prostituierte schlechter, oder weniger wert ist als eine Domina? LG Sabine

  2. Britta sagt:

    Liebe Sabine,
    ich freue mich, dass Du den Blog so aufmerksam liest und Dir Gedanken dazu machst. Und ich werde Dir auf Deine Frage ehrlich antworten.
    Ich kann Dir nur meine eigene Erfahrung schildern und das, was ich in meinem nächsten Umfeld beobachtet habe. Für alle Frauen, die als Dominas arbeiten, kann ich nicht sprechen.
    Ich habe mit 20 angefangen, als Domina zu arbeiten. Du kannst Dir sicher denken, dass das keine Zeit der vollendeten Geistes-Reife ist. Ich habe mich damals natürlich besonders gefühlt, und irgendwie war ich natürlich auch stolz darauf, etwas Sexuelles zu verkaufen, ohne dabei meinen Körper verlaufen zu müssen.
    Ja, ich glaube, ich habe mich damals schon als was Besseres gefühlt. Aber in meinem Studio haben ja auch sehr viele Frauen gearbeitet, die auf der passiven Seite standen, und die klassischen Sklavinnen-Spiele verwirklicht haben. Dazu gehörte natürlich, dass sie berührbar waren, Oralsex und Geschlechtsverkehr anboten. Hätte ich diese Frauen, nur weil sie Sex mit den Kunden hatten, als weniger wert angesehen? Natürlich nicht. Sie haben ihren Körper verkauft, aber das habe ich auch. Indem ich mich für unsere Kunden in Schale geworfen habe, wurde auch ich zu einem Objekt. Ich wurde die Verkörperung sexueller Fantasien. Ob ich nun Sex anbiete oder nicht – ich denke, einen großen Unterschied kann man da kaum noch machen. Und kann sich daher auch nicht mehr von “normalen” Prostituierten abgrenzen. Natürlich haben einige meiner damaligen Kolleginnen schlecht über “normale” Huren gesprochen, aber ich sehe da keinen Unterschied mehr. Dominas sind auch Prostituierte, aber sie bieten eben ein anderes Feld der Sexualität an. Sie bieten eben nicht nur das zwischen ihren Beinen an, sondern auch Technik, Sprache, Rollenspiele, Körperarbeit. Und sie tun es – im Idealfall aus eigenen Neigungen heraus. Was ich bei normalen Huren erstmal bezweifle, denn die wenigsten tun es, weil sie es geil und toll finden. Bei Prostituierten ist wohl mehr Ausbeutung und der schnelle Kick im Spiel, als bei Frauen, die in einem SM-Studio arbeiten.
    Ich denke heute, dass es zwischen einer Domina und einer Frau, die normal anschaffen geht, kaum einen Unterschied gibt. Der Unterschied sind lediglich andere Kunden, andere Neigungen, ein anderes Ritual. Die Welt ist voll von Männern, die das eine oder das andere brauchen. Warum sollte man diesen Teil der Welt herabwürdigen? Was ich schlimm finde, ist das ausbeuterische Umfeld von “normalen” Huren.
    Weißt Du, der Mensch neigt dazu, dass er sich seine Identität auf die Flaggen schreibt. Das machen fast alle. Hey, ich bin ein Mathe-Ass, ich bin in der Gothik-Szene, ich bin die Super-Karrierefrau, ich habe ein geiles Auto, ich binb der perfekte Christ, oder eben auch: Ich bin Domina. Wenn Du dich mit etwas identifizierst, nimmst Du es automatisch, um Dich gegen andere abzugrenzen. Und gegen was bitteschön, soll sich denn eine Wald und Wiesen- Domina abgrenzen? Gegen Frauen, die eben nur ihre Möse hinhalten. Wir treten alle nach unten. Und Dominas glauben eben, dass Prostituierte auf der unteren Stufe angesiedelt sind. Das ist menschlich und verständlich. Aber sehr unreflektiert und blöd.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß beim Lesen.

    Alles Liebe

    Nora

  3. Sabine Bodewald sagt:

    Danke Nora, für Deine ehrliche sehr gute Antwort. Ich muss sage, ich mag Dich immer mehr. Und ich bin stolz mit Dir über Facebook befreundet zu sein.
    Und um ehrlich zu sein, ich war mal eine Prostituierte. Ich habe in einer Bar in München zum animieren angefangen und merkte schnell das im Separee auch noch andere Dinge liefen. Im laufe der Zeit habe ich so meine Erfahrungen gemacht. Und ich wollte mehr und fing dann an richtig “anzuschaffen” und bekam einmal übers Internet einen Kunden der eine Reitgerte, eine Peitsche und diverse Dinge zum fesseln mitbrachte.
    Da kam ich zum ersten mal mit SM in Berührung. Und da es mir gefiel und der Kunde öfters kam dachte ich auch schon darüber nach mich direkt in einem Dominastudio zu bewerben und ausbilden zu lassen.
    Aber wie das Leben manchmal so spielt kam dann ein Mann in mein Leben mit dem ich dann auch über vier Jahre verheiratet war. Er hat nie erfahren was ich gemacht hatte den ich bekam auch einen neuen Job in dem ich noch heute bin. aber meine Liebe zu SM, Leder und Latex habe ich bis heute behalten.
    Ich lese gerne was du schreibst und vor allem wie Du schreibst. Dein Stil gefällt mir sehr, das hat auch Deine Antwort bewiesen. Nochmal vielen Dank Du bist großartig. Dir auch alles Liebe Sabine

  4. Sabine Bodewald sagt:

    Ach ja und noch eins, einige meiner ehemaligen Kolleginnen hatten von Domias auch keine sehr gute Meinung und so gleicht es sich wohl ein bisschen aus. Ist nur witzig dass sich Leute die Toleranz und Akzeptanz fordern, sich selbst oft damit schwer tun. Zum Beispiel hat mir mal ein schwuler Mann gesagt das er Transsexuelle nicht mag weil sie das Geschlecht wechseln, aus Feigheit als Mann mit einem anderen Mann zu schlafen. Unglaublich was, der Typ bekam nicht mal mit das ich auch nicht als Junge zur Welt gekommen bin. Naja diesen Fehler der Natur habe ich schon damals berichtigen lassen. Aber er wollte gern mit mir befreundet sein, deshalb hat er es wahrscheinlich nicht bemerkt. LG Sabine :-)

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